Am frühen Morgen machten sich die Klassen 9-1 und 9-2 mit dem Bus auf den Weg nach Dresden, um im Sächsischen Landtag an der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus teilzunehmen. Nach der Ankunft wurden die Schülerinnen und Schüler im Landtag empfangen und hatten zunächst Gelegenheit, eine begleitende Ausstellung zu besuchen, die thematisch auf die folgende Veranstaltung einstimmte.
Im Mittelpunkt des Vormittags stand die offizielle Gedenkfeier, die mit einer Rede des Landtagspräsidenten Alexander Dierks eröffnet wurde. Anschließend präsentierte die Künstlerin Bente Kahan ihr Konzertprogramm „Ein Gebet für mich“, das auf Liedern basiert, die Jüdinnen und Juden während der Zeit des Nationalsozialismus in Ghettos verfasst hatten. Die eindrucksvolle musikalische Darbietung erinnerte eindringlich an Leid, Verfolgung und die Tragödie des Holocaust und hinterließ bei den Jugendlichen einen spürbaren Eindruck.
Nach dem offiziellen Empfang im Foyer und einem gemeinsamen Mittagessen folgte eine Führung durch den Landtag, bei der die Klassen Einblicke in die Arbeitsweise des sächsischen Parlaments erhielten. Am Nachmittag schloss sich ein weiterer besonderer Programmpunkt an: eine Lesung aus dem Buch „Sie waren neun – Der Weg in die Freiheit“, vorgestellt von Mitgliedern der Jungen Gemeinde Wurzen.
Das Buch erzählt die wahre Geschichte von neun Frauen, die während der NS-Zeit in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert und später auf einen Todesmarsch geschickt wurden. Auf der Flucht, zwischen Wurzen und Oschatz, gelang ihnen unter Lebensgefahr die Freiheit. Besonders eindrucksvoll war für die Schülerinnen und Schüler, dass die Jugendgruppe aus Wurzen das Buch eigenständig aus dem Englischen übersetzt hatte, um diese Geschichte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In einem anschließenden Gespräch ging es um die Motivation der Jugendlichen, die emotionale Herausforderung der Übersetzungsarbeit und die Bedeutung historischer Verantwortung heute.
Der Besuch im Sächsischen Landtag machte deutlich, dass die Geschichte des Nationalsozialismus nicht abstrakt oder fern ist, sondern auch direkt vor unserer Haustür stattgefunden hat. Der Tag bot den Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, Geschichte nicht nur zu lernen, sondern ihr in persönlichen Geschichten, Musik und Gesprächen zu begegnen – eindrücklich, bewegend und nachhaltig.







